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Kolumne: Beteiligung ja, aber bitte richtig!

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Autor Norbert Lohrke Bewertung:
Erstellt am: 22.04.08 09:39 Antworten: 0  
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Kolumne: Beteiligung ja, aber bitte richtig!

Die Aktie als Gesellschaftsanteil ist wie kein anderes Instrument am Finanzmarkt dazu geeignet, nicht nur über die Dividende am Ertrag, sondern über die Kursgewinne an der Wertsteigerung eines Unternehmens teilzuhaben. Und wie wir alle wissen, sind es die Unternehmen, die letztlich die Werte schaffen, von denen wir alle leben. Insofern wäre es ein konsequenter Schritt, wenn sich auch die Arbeitnehmer stärker an Aktien bzw. Gesellschaftanteilen beteiligen. Einfach um an der allgemeinen Wertschöpfung teil zu haben.

 

Dass Aktien bzw. Beteiligungen an Gesellschaften gerade für Arbeitnehmer sehr interessant wäre, sieht man daran, dass diese in den letzen Jahren in Deutschland teils erhebliche Reallohnverluste hinnehmen mussten, während an den deutschen Aktienmärkte in den letzen 4 Jahren Renditen von 8 % bis über 30 % - legt man nur den Dax zugrunde - erzielt werden konnten.

 

Obwohl die Vorteile auf der Hand liegen, kommt die Beteiligung der Arbeitnehmer am sogenannten Produktivkapital nicht auf die Füße. Wobei dies nicht verwunderlich ist, weil Menschen wie wir es sind, im Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsumfeld gemeinhin als Zocker und Spekulanten verunglimpft werden. So hat sich neulich in einer Talkshow um die Hypothekenkrise ein Bundestagsabgeordneter, ich meine es war den SPD Bundesabgeordnete Ludwig Stiegler, damit gebrüstet, dass er noch nie eine Aktie besessen hätte. Ein wenige mit dem Unterton, dass er deshalb eher ein besserer Mensch wäre. Den Hinweis, dass er mit Festgeld angesichts der Inflation nicht gerade weit kommen würde, ignorierte er einfach.

 

Und weil dies so ist, fristet die Mitarbeiterbeteiligung in Deutschland seit Jahren ein Mauerblümchendasein. Nur 2 % aller Betriebe beteiligen die Mitarbeiter am Kapital. Und nur 9 % der Arbeitnehmer sind am Gewinn beteiligt. Das soll nun ein Ende haben. Ab 2009 soll der Mitarbeiterbeteiligung – wenn es nach dem blassen Arbeitsminister Olaf Scholz geht – einen Aufschwung in Deutschland erleben.

 

Mit dem Ziel Beschäftigte am Ertrag der Volkswirtschaft teilhaben zu lassen, hat eine Arbeitsgruppe nun ein Konzept zur Förderung der Mitarbeiterbeteiligung vorgelegt. 500 Mio. Euro sollen dafür zur Verfügung gestellt werden. Das Konzept sieht vor, dass der Freibetrag von 135 Euro auf 360 Euro erhöht werden soll. Auch soll sich der Mitarbeiter zukünftig nicht mehr zur Hälfte selbst beteiligen müssen, wie bisher. Einen Zwang zur Beteiligung an dem Modell soll es nicht geben. Bedingung ist, dass die Vermögensbeteiligung zusätzlich zum Arbeitslohn aus freiwilligen Leistungen des Arbeitgebers gewährt werden muss. D.h., dass keine Entgeltumwandlung stattfinden darf. In einem zweiten sog. Förderweg sollen Mitarbeiter für die Beteiligung Zuschüsse von 18 bis 20 % aber maximal 80 Euro bekommen.

 

Da ich nicht als Dauernörgler dastehen möchte, versuche ich zunächst was Positives zu sagen. Also, dass die Regierung erkannt hat, dass die Arbeitnehmer bei sinkenden Reallohneinkommen, für die sie selbst weitgehend die Verantwortung trägt, über die Beteiligung an Unternehmen profitieren können, finde ich gut. Auch, dass sie sich bemüßigt fühlt, etwas zu tun. Das ist es dann aber auch.

 

Das vorgelegte Konzept allerdings, kann man schon jetzt in die Tonne treten. Das wird nichts bzw. kann gar nichts werden. Warum um Himmels Willen dürfen Arbeitnehmer nicht über Entgeltumwandlung an Unternehmen beteiligt werden und somit auch zu Gewinnzeiten deutlich profitieren können? Mit dem positiven Nebeneffekt, dass die Unternehmen „atmen“ können, d.h. sie etwas flexibler auf die jeweilige Wirtschaftslage reagieren können? Das würde beiden – Unternehmer und Arbeitnehmer – helfen und wäre zunächst kostenneutral. Das was jetzt beabsichtigt ist, wird schon allein deshalb nicht funktionieren, weil die Zusatzkosten die meisten Unternehmen in diesem Lande gar nicht aufbringen können.

 

Außerdem stellt sich die Frage der Handelbarkeit der Anteile und der Mitsprache. Gerade im Mittelstand sind die Unternehmer nicht gerade begeistert davon, zusätzliche Gesellschafter zu haben, die einem womöglich auch noch ins Geschäft reinreden wollen. Insofern müsste man sich hier ein wenig genauer die Interessenslagen und Strukturen bzw. Gefühlslagen erarbeiten. Und ein entsprechendes zielgruppenkonformes Angebot artikulieren. Das ist offensichtlich nicht gemacht worden. Denn diesbezüglich kann man wenig lesen, was wirklich in die Zukunft trägt.

 

So wird das mit der Mitarbeiterbeteiligung nichts werden. Denn wieder einmal hat das alles weder Hand noch Fuß. Zudem: hier die Mitarbeiterbeteiligung einzuführen und quasi im Gegenzug mit der Abgeltungssteuer die Aktionäre bestrafen, macht – von einem höheren Standpunkt aus gesehen – auch keinen so rechten Sinn. Vielleicht sollten sich die Kabinettskollegen untereinander erst einmal klar werden, was sie denn nun wirklich wollen.

 

Oder reden die nicht miteinander?

 

Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.

 

Ihr Norbert Lohrke

 

 

 

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