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Kolumne: Gespenst US-Rezession

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Autor Norbert Lohrke Bewertung (0):
Erstellt am: 14.05.08 09:04 Antworten: 0  
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Kolumne: Gespenst US-Rezession

Stell Dir vor alle Welt spricht von US-Rezession. Und ausgerechnet diejenigen, die dafür ursächlich sein sollen, machen nicht mit. So in etwa stellt sich derzeit die Situation dar.

 

Denn die neuesten US-Konsumdaten sprechen derzeit eine etwas andere Sprache. So sind die amerikanischen Umsätze im April zwar um -0,2 % zurückgegangen. Rechnet man jedoch die Automobilbranche heraus, so war ein Anstieg von +0,5 % zu verzeichnen. Und dabei ist noch eine aufsteigende Tendenz zu verzeichnen. So waren die Umsätze noch im Februar rückläufig und im März bereits ein erstes Plus zu verzeichnen. Auch der Einzelhändler Wal-Mart konnte sich übrigens im ersten Quartal über einen Gewinnzuwachs von +7 % bei einem Umsatzplus von +10 % freuen.

 

Und nicht nur das. Auch ist das amerikanische Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal leicht angestiegen. Ferner weisen auch die Jobdaten nicht gerade auf einen Zusammenbruch hin. So ist die Arbeitslosenrate im gleichen Zeitraum sogar gefallen. Lediglich 20.000 Angestellte verloren – trotz der Verwerfungen im Finanzsektor - im April ihren Job. Wobei man wissen muss, dass sich in der Vergangenheit üblicherweise Rezessionen in den USA mit Jobverlusten von ca. 400.000 Werktätigen pro Woche ankündigten.

 

So sagt jetzt sogar Brian Bethune von Global Insight, dass „it’s conceivable we could avoid it“ (es ist vorstellbar, dass wir sie vermeiden können). Wobei Global Insight noch im Februar, wie übrigens auch Goldman Sachs, Morgan Stanley, UBS und Merrill Lynch die US-Wirtschaft sicher in einer Rezession sahen. Nach Ansicht von Brian ist die massive politische Antwort der Grund dafür, dass die Wirtschaft sich doch nicht – wie ursprünglich erwartet – verhält. Ähnlich äußerst sich inzwischen Moody, die mitteilen, dass sie weniger „gloomy“ (=bedrückt) als noch ein paar Monate vorher sind.

Andererseits kommen jetzt auch vereinzelte Stimmen auf, die der Meinung sind, dass die Probleme jetzt erst anfangen würden. So wird ein Vertreter von Lehman Brothers zitiert, dass „eine Stagnation viel schlimmer sein kann, als eine Rezession“.

 

War das jetzt alles ganz nach Shakespeare „Viel Lärm um nichts“? Oder war doch was dran? Wo genau befindet sich derzeit eigentlich die US-Konjunktur?

 

Es ist nicht zu bestreiten, dass die amerikanische Wirtschaft sich abschwächt. Das sieht man an einzelnen Branchen sehr deutlich. Nehmen wir nur die Automobilbranche. In Nord-Amerika musste jetzt zuletzt selbst Toyota Verluste ausweisen. Und das will schon was heißen.

 

Andererseits ist der hier im letzten Halbjahr von vielen geradezu herbeigesehnte dramatische US-Wirtschaftseinbruch ausgeblieben. Was für mich nicht erstaunlich, sondern sogar logisch und nachvollziehbar ist. Denn, wenn man sich die Hypothekenkrise mit etwas Abstand anschaut, so wird der Wirtschaftssachverständige zugeben müssen, dass sich die Krise doch im Wesentlichen auf der Finanzebene abspielte. Die reale Wirtschaftswelt ist mit dieser zwar über die Kreditvergabe in Verbindung. Diese Verbindung - von Ökonomen Transaktionsmechanismus genannt - kennt aber keinen Automatismus. Insofern kann eine solche Krise in die reale Welt überschwappen, muss es aber nicht.

Und spätestens nach der massiven Zinssenkung durch die FED und jetzt das Anlaufen des Konjunkturprogramms der amerikanischen Regierung (erste Schecks wurden bereits verschickt) muss klar sein, dass diese drastischen Maßnahmen ihre Wirkung nicht verfehlen werden.

Blickt man also in Ruhe zurück, so sollten wir uns alle selbstkritisch fragen, ob die allgemeine Hysterie wirklich angebracht war. Oder, ob wir nicht der Mär eines Gespenstes aufgesessen sind. Das es bekanntlich nicht gibt.

 

A propo Gespenster. Das trifft es eigentlich ganz gut. Denn einen materialistisch-empirischen Beweis für die Existenz von Gespenstern gibt es – wie man nachlesen kann - nicht. Aus materialistisch-naturwissenschaftlicher Sicht wird die Existenz derartiger Phänomene daher nicht anerkannt. Aus historischer Sicht werden behauptete Geistererscheinungen häufig als subjektive, unabsichtliche Fehldeutung noch nicht erfasster Naturphänomene erklärt, die lediglich in der Einbildung der sie Wahrnehmenden vorhanden sind. So handelt es sich bei vielen angeblichen Geistererscheinungen um absichtliche Betrügereien und Täuschungen.

Und hier ist vielleicht die Parallele zur US-Wirtschaft. Vielleicht kam es dem ein oder anderen gar nicht so ungelegen, dass der Markt überreagierte. Und was die gesamte Medienbranche angeht, so gilt der alte Satz:

 

Only Bad News is Good News!

 

Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.

 

Ihr Norbert Lohrke

 

 

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