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Kolumne: Kommunikationsprobleme

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Autor Norbert Lohrke Bewertung (0):
Erstellt am: 06.05.08 10:04 Antworten: 0  
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Kolumne: Kommunikationsprobleme

Als ich gestern aus den USA zurückkam, am Frankfurter Flughafen in den ICE einstieg, meinen PC aufschlug um mein Portal zu pflegen und meine Mails durchzugehen, merkte ich wieder einmal, wie schwach die Telekommunikationsindustrie in Deutschland ist. WLAN gab es nicht. Und meine Telekom-Karte war mitunter so etwas von langsam, dass es keinen Spaß machte damit zu arbeiten. Das Gute daran: Ich konnte nebenbei Zeitung lesen.

 

Das sagt eigentlich alles über die Probleme die der ganze Bereich der Telekommunikation derzeit hat. Es fehlt an der durchgehenden, zufriedenstellenden Kommunikationsmöglichkeit. Dabei sollte das im 21. Jahrhundert eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Aber das kümmert die Telekom und unseren inzwischen etwas ruhiger gewordenen Obermann offensichtlich nicht.

 

Statt hierzulande Probleme zu lösen, sucht er im Ausland weitere, die er den hiesigen hinzufügen kann. 2,5 Mrd. Euro blättert er für 20 % der griechischen OTE auf den Tisch. Aber nicht nur in Griechenland schaut er sich um. Wie man weiß hat es ihm der amerikanische Markt angetan. Ist da doch alles größer und besser. Scheinbar jedenfalls. So hörte man gerüchteweise, dass er an der amerikanischen Sprint Nextel Corp. interessiert sei. Ob das allerdings ein guter Kauf wäre, steht in den Sternen.

 

Denn die amerikanische Nummer Drei hat das gleiche Problem, wie die Deutsche Telekom. Zwei Welten trafen dort aufeinander. Die bürokratische und eher behäbige Sprint und eine unstrukturierte dynamische Nextel. Wobei man Sprint mit der T-Com bzw. der Zentrale gleichsetzen kann und die Nextel mit der deutlich dynamischeren T-Mobile AG. Der Kulturschock nach Umzug in die Zentrale steht Obermann noch heute im Gesicht geschrieben.

 

Der kleine Unterschied ist nur, dass die Amerikaner erkannt haben, dass das Experiment gescheitert ist und der 35 Mrd. Dollar schwere Kauf der Nextel Communications Inc. in 2005 offensichtlich ein Fehler war. Die Konsequenz lautet, dass sich Sprint Nextel Corp. von seiner Nextel-Einheit trennen möchte, um endlich wieder zu seinen gewohnten Bahnen zurückkehren zu können. Obwohl Nextel seinerzeit pro Kunde 15 bis 20 Dollar mehr je Monat einbrachte – was sicherlich auch mit seiner „push to talk walkie-talkie“-Technologie zusammenhing, bekam das Management die beiden Kulturen und die daraus entspringende Unruhe nicht in den Griff. Was zu Einbußen führte.

 

Und was des einen Leid, ist bekanntlich des anderen Freud. So konnten die Wettbewerber AT&T und Verizon ein paar Millionen Kunden pro Quartal hinzugewinnen, während die Nextel einen dramatischen Kundenverlust hinnehmen musste. Und zwar mehr als Sprint auf der anderen Seite reinholen konnte. So hat Sprint Nextel derzeit 53,8 Mio., AT&T 70,1 Mio. und Verizon Wireless 65,7 Mio. Kunden. Die Deutsche Telekom rangiert mit 28,7 Mio. US-weit abgeschlagen auf Platz 4.

Der Kundenaderlass von Sprint Nextel war natürlich auch in der Kasse zu spüren. Sprint musste im vierten Quartal einen Verlust von 29,5 Mrd. Dollar hinnehmen. Und so sagen manche Marktkenner, dass die einst für 35 Mrd. Dollar erworbene Nextel nunmehr nur noch zwischen 5 und 16 Mrd. Dollar wert wäre.

 

Das musste die Telekom auf den Plan rufen. Schließlich erinnert das stark an ihr Voicestream-Debakel. Und da die Telekom sich da auskennt und daraus aber auch gar nichts gelernt hat, versucht Obermann es jetzt wahrscheinlich noch einmal mit Sprint. Sein unbändiger Ehrgeiz in seiner geliebten USA eine größere Rolle zu spielen und auf Platz 3 vorzustoßen, wird voraussichtlich wieder einmal alle Warnsignale beiseite schieben.

 

Die Telekom und Obermann kapieren es einfach nicht. Größe allein zählt nicht. Man muss seinen Kunden und Aktionären darüber hinaus schon etwas mehr bieten. Ein bisschen Zukunftsvision oder wenigstens etwas, was wie Strategie aussieht, ist doch nicht zuviel verlangt oder?

 

Aber wie kann man das von einem Vorstandsvorsitzenden und Unternehmen verlangen, die gezwungen sind, Dividenden aus Rücklagen zu zahlen, weil ihnen andererseits sonst der Kurs nach unten rauschen würde, wie Nextel die Kundenzahlen. Und die es auch intern einfach nicht auf die Reihe bringen. Mangels klarer Vorgaben. Das Geeier um die Entlassungen im Hause Telekom ist ja keinem mehr zuzumuten. Weder dem Personal noch den Aktionären.

 

Insofern passen die doch ganz gut zusammen. Nach dem Motto: Verlierer unter sich. Also Herr Obermann, greifen Sie ruhig zu. Ihre Vorgänger haben es schließlich auch so gemacht. Geschadet hat es ihnen nicht wirklich. Jedenfalls finanziell.

 

Größe statt Rendite. Hochglanzbroschüren und tolle Sprüche anstelle von Zukunftsvision und Richtung. Verantwortungslosigkeit statt klarer und harter Kurs. Und am Ende Erinnerungslücken.

Von Ihnen hätte ich ehrlich gesagt mehr erwartet. Vielleicht sollten Sie statt im Ausland den großen Makker zu spielen und sich weitere Probleme aufzuhäufen, einfach mal zuhause aufräumen. Oder sind Sie schon dem Trott in der Zentrale erlegen?

 

Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.

 

Ihr Norbert Lohrke

 

 

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