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Autor | Norbert Lohrke | Bewertung (0): | |
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| Erstellt am: | 25.04.08 09:15 | Antworten: | 0 | ||
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Nun da sich die Wogen in Sachen Olympia ein wenig gelegt haben, möchte ich mit einem gewissen Abstand das Thema Wirtschaft und Menschenrechte noch einmal aufgreifen. Wie wir alle wissen haben sich neben internationalen Sponsoren wie McDonald, Coca-Cola und General Electric auch unsere deutsche adidas und Volkswagen das Recht erkauft, mit den fünf Ringen zu werben. Obwohl es über die gezahlten Summen keine veröffentlichten Zahlen gibt, geht man davon aus, dass insgesamt mehr als eine Milliarde Dollar gezahlt wurde und es wieder einmal einen Sponsoren Rekord geben wird.
Nach den massiven Protesten, die sich an Tibet entzündeten, aber viel subtiler im gesamten China an der Tagesordnung sind, fordern nun zahlreiche Menschen und Gruppen den Boykott der olympischen Spiele. Und nicht nur das. Den Gegnern, die sich dieser Boykottandrohung nicht anschließen, wird unterstellt, dass sie Geschäfte auf Kosten der Menschenrechte machen und diese den Firmen und ihren Lenkern egal wären. Zumindest ein sichtbares Zeichen wird gefordert.
Wer zeitlich etwas zurückblickt, erinnert sich vielleicht daran, dass diese Diskussion nicht nur im Zusammenhang mit Olympia, sondern immer da geführt wird, wo Wirtschaft in einem Umfeld agiert, in dem die Rechte der Menschen ignoriert bzw. verletzt werden. Ich erinnere dabei u.a. auch an das Südafrika der Apartheit. Aber jenseits dessen, gibt es gegenwärtig genug, auch mit uns befreundete, Staaten in der Welt, die dann „No go areas“ für die deutsche Wirtschaft wären. Was tun? Heißt die Antwort wirklich Verweigerung?
Lassen Sie mich einen kleinen Umweg machen, um Ihnen meine Haltung etwas klar zu machen. Verlassen wir kurz das Gebiet der Menschenrechte. In Deutschland regierte früher einst der Adel. Das haben wir alle im Geschichtsunterricht gelernt. Wer den Stechlin von Fontane gelesen hat, erinnert sich an die Stelle, wo der alte Stechlin angesichts des aufkommenden Sozialismus die Welt nicht mehr versteht. In dem Buch wird die Welt des Bürgertums aus Sicht des Adels kritisch beleuchtet. Die meisten Adeligen wehrten sich seinerzeit Handel zu treiben. Sie wollten sich die ach so feinen Hände nicht schmutzig machen. Was wie wir alle wissen, nachträglich gesehen, ein großer Fehler war. Und der Anfang vom Niedergang des Adels in Deutschland.
Was ich damit aussagen will ist folgendes. Die gewaltigen Kräfte, die die Unternehmen bzw. die Wirtschaft auf ihrer Suche nach Rendite entfachen, wurden und werden von vielen, insbesondere den Herrschenden weltweit, unterschätzt. Die Möglichkeit des Aufstiegs eines jeden, egal aus welchen Verhältnissen und damit die Chance auf Teilhabe am Wohlstand, entfesselt eine ungeheure Kraft. Dazu kommt, dass dem Kapitalismus durchaus eine Tendenz in Richtung Freiheit und Gleichheit innewohnt. Diese Aussage mag viele überraschen. Aber wenn das Geld im Vordergrund steht, sind andere diskriminierende Dinge nebensächlich. Der portugiesische Schriftstellter Fernando Pessoa ging sogar soweit, dem Kapitalismus in seinem Buch „Der anarchistische Bankier“ eine innewohnende Tendenz zur Anarchie zu unterstellen.
Nach all den Ausführungen wird Sie meine Haltung nicht überraschen. Wer die Geschichte des Boykotts kennt, weiß, dass dieses Mittel in den meisten Fällen ein stumpfes Schwert ist. Zu leicht kann er unterlaufen werden. D.h., dass ich der Überzeugung bin, dass ein Boykott eher das Gewissen derjenigen beruhigt, die das Glück haben, die Errungenschaft in Freiheit zu leben genießen dürfen, als es den Geknechteten die schwere Last nimmt. Nichts fürchten totalitäre und menschenrechtsverletzende Staaten mehr als das freie Wort und Transparenz bzw. Öffentlichkeit. Zudem glaube ich daran, dass die chinesische Führung die Geister des Kapitalismus, die sie rief, diesbezüglich unterschätzt und nicht mehr loswerden wird.
Deshalb fahren diejenigen, die wirklich an einer Verbesserung im Land interessiert sind, nach Peking und führen den Machthabern und den Menschen vor, was es heißt frei zu sein. Und halten soweit möglich den Finger in die Wunde. Und die Unternehmen sollen ruhig kräftig Geschäfte machen und besser im Kleinen wirken, was manchmal mehr bringt, als die große Schlagzeile, die einen Tag später schon keiner mehr liest.
Und was die Sponsoren betrifft, so kann ich adidas und Volkswagen – obwohl ich ihre Haltung grundsätzlich teile – etwas Kritik nicht ersparen. Unternehmen sind keine Menschenrechtsorganisationen. Das verstehe ich. Dennoch könnte es nicht schaden, dass beide durch ihr Handeln etwas klarer Stellung beziehen. Noch ist die Chance nicht vertan.
Wie Sie sehen, glaube ich an die befreiende und nivellierende Kraft der Marktwirtschaft. Insofern sollten wir den Handel, gerade mit solchen Systemen unterstützen und die Begegnung offensiv suchen. Und Olympia ist genau das. Ein Boykott hilft niemand. Den unter den Systemen Leidenden am Allerwenigsten.
Rendite befreit. Darauf sollten wir setzen. Auch, wenn es mitunter etwas Disziplin, Zeit und Geduld bedarf.
Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.
Ihr Norbert Lohrke
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