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Kolumne: Deutsche Schlappschwänze

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Autor Norbert Lohrke Bewertung:
Erstellt am: 18.04.08 09:30 Antworten: 0  
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Kolumne: Deutsche Schlappschwänze

Ein Kolumnist hat es mitunter gar nicht so leicht. Nicht, dass ich jetzt um ihr Mitleid winsle. Aber da gibt es Tage, da weiß man gar nicht so Recht, was man schreiben soll und dann wieder gibt es Tage, wo sich die Themen nur so stapeln und man sich kaum entscheiden kann, welche Zeile man zuerst auf den Laptop bringen soll.

 

So stand heute für mich zur Auswahl, ob ich über die amerikanische Quartalsgewinnsaison berichten soll, die besser als erwartet ausfällt. Immerhin haben die Gewinne nach der Veröffentlichung von 20 % der US-Unternehmen und unter Abzug der Finanzwerte im Durchschnitt um +8,2 % zugenommen. Wenngleich unter Hinzuziehung der Finanzwerte im Durchschnitt ein Gewinnrückgang von -22,1 % zu vermelden war. Und für die restlichen 80 % wird ohne Finanzwerte ein +9,5 %-iger Anstieg erwartet, der über den Analystenerwartungen liegt. Mit Finanzwerten kämen wir dann - Brown Brother Harrimann zufolge - im Durchschnitt auf einen Rückgang von -12,9 %.

 

Ein anderes Thema wäre unsere laut Umfragewerten äußerst beliebte Bundeskanzlerin Angela Merkel gewesen. Übrigens nicht wegen ihres Dekolltee. Auch wenn das Manche mehr zu interessieren scheint, als die in letzter Zeit wirklich äußerst schlechte Politbilanz. Auch nicht, dass sie es endlich gecheckt hat, dass es sich einfach schlecht macht, mit dem Siemens-Pierer einen Vorstand als Berater zu haben, der in den größten Korruptions- und Bestechungsskandal nach dem Krieg verwickelt ist und man sich mit solchen Leuten besser nicht umgibt. Oder, dass sie wie einst Kohl, zum Himmel schreiende Skandale wie die Milliardenverluste der IKB und KfW einfach aussitzt und wir Familien auf eine Kindergelderhöhung weiter warten dürfen.

 

Oder ihre unqualifizierten Äußerungen zur Wirtschaftspolitik, in dem sie den Entwicklungsländern vorwirft, dass sie „eine unzureichende Agrarpolitik“ in ihren Ländern betreiben würden. Sie hat wohl vergessen, dass wir die Agrarprodukte der Entwicklungsländer vom europäischen Markt über hohe Importzölle und Subventionen bewusst diskriminieren und fernhalten und ihr der Hunger in der Welt als EU-Ratspräsidentin nicht nur am Dekolltee vorbei ging. Ich habe selten so ein dummes Geschwätz gehört. Das muss einmal so deutlich gesagt werden.

 

Schließlich bin ich aber dann doch bei der Meldung zur TUI und dem dort herrschenden Machtkampf hängengeblieben. Warum? Weil ich es Klasse finde, was sich da soeben abspielt. Der norwegische Reeder John Frederiksen gibt uns Deutschen nämlich soeben eine Lektion darin, wie man finanzielle Interessen mit der Verbesserung der Aktionärskultur vereinen kann. Und dabei auch noch die Corporate Governance wiederbelebt. Nicht nur, dass er – wie bereits bekannt – das Schifffahrtsgeschäft gegen den Willen von unserem vor Gericht freigekauften „Saubermann“ und Vorstandsvorsitzenden Dr. Frenzel abtrennen möchte. Was mich schon beeindruckt, weil es schlichtweg Sinn macht. Nein.

 

Er will auch noch den Ex-Deutsch Bänker und Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Jürgen Krumnow vom Acker jagen. Und als ob das nicht schon einen Sonderapplaus wert wäre, will er den österreichischen Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky gleich mit vor die Tür setzen. Als ich das heute Morgen las, habe ich gleich nachgeschaut, ob Herr Frederiksen in meinem Verteiler ist und meine Kolumne von Neulich gelesen hat.

 

Also Herr Frederiksen. Ich ziehe meinen Hut vor Ihnen und würde mich sehr freuen, Sie eines Tages kennenzulernen und Ihnen auch persönlich meinen Respekt erweisen zu dürfen. Und Ihnen dafür zu gratulieren, dass in diesem Sausstall endlich mal einer aufräumt und für frischen Durchzug sorgt.

Und obwohl meine Begeisterung, wie sich unschwer erkennen lässt, Richtung Höhepunkt bewegt, so gibt es doch in der ganzen Angelegenheit einen Wermutstropfen. Ach was sage ich denn. Einen Wermutssee.

 

Herr Frederiksen ist Norweger. Nicht, dass ich was gegen Norweger hätte. Im Gegenteil. Ich war bei meinem Oslobesuch beeindruckt, welch freundliche und kluge Menschen das sind. Und welch kluge Wirtschaftspolitik die dort betreiben.

 

Nein, das ist es nicht. Was mich daran traurig und wütend zugleich macht, ist die Tatsache, dass wir Deutschen wieder und wieder Hilfe von Außen in Anspruch nehmen müssen, weil wir offensichtlich in unserem Lande nicht dazu in der Lage sind, unsere Angelegenheiten selbst zu regeln. Wofür genug Zeit war.

 

Warum gibt es eigentlich keinen deutschen Fonds oder eine deutsche Private Equity Company, die ähnliches schon früher gemacht haben? Trauen die sich nicht oder können sie es nicht besser? Und warum sind unsere deutsche Anleger nicht bereit, einer solchen Gesellschaft, die aggressiv in den Markt geht und die Krumnows, Schrempps, Koppers und Frenzels vom Markt fegt, Geld zu geben?

 

Schade, dass es bei uns in diesem Segment offensichtlich zu viele Schlappschwänze gibt.

 

Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.

 

Ihr Norbert Lohrke

 

 

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