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Kolumne: Nippon sieht historische Chance

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Autor Norbert Lohrke Bewertung (0):
Erstellt am: 19.03.08 09:15 Antworten: 0  
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Kolumne: Nippon sieht historische Chance

Um in Zeiten wie diesen, nicht in das allgemeine Katastrophenszenario einzustimmen bedarf es schon eines dicken Felles. Denn sobald man etwas Positives schreibt, wird man automatisch bezichtigt, das nur zu tun, um die eigenen Aktien nach oben zu treiben. So schrieb mir gestern ein Leser:

 

Ich bin schon erstaunt, woher Sie Herr Lohrke bei den hereinprasselnden Hiobsbotschaften den Mut nehmen, bei Bear Stearns "eher von einem Einzelfall" auszugehen. Es spricht eher vieles dafür, dass es sich um mehrere Fälle handelt und noch die eine oder andere Bank an den Rand der Pleite gerät. Vielleicht wollen Sie sich selbst Mut machen, damit die Aktien, die Sie halten, nicht noch weiter in den Keller rauschen“.

 

Obwohl ich nicht nur Aktien besitze, sondern noch dazu auch voll in Aktien investiert bin – wie ich wiederholt auch öffentlich gemacht habe – bin ich weit davon entfernt, die Kurse „nach oben beten“ zu wollen. Und ja, das würde ich gerne, aber dazu reicht mein Einfluss leider nicht aus. Aber nicht, weil ich geldgeil bin und mit aller Gewalt auf Kosten Dritter profitieren möchte, sondern schlicht deshalb, weil ich der Ansicht bin, dass viele Value-Aktien historisch derzeit absolut unterbewertet sind. Und die wirtschaftlichen Aussichten gar nicht so schlecht sind. Wenngleich ich hierzulande mit dieser Meinung derzeit ziemlich allein auf weiter Flur dastehe.

 

Um so mehr hat es mich über den japanischen Beistand gefreut, als ich heute Morgen in der Nikkei News das Interview des Vorstandsvorsitzenden der Nippon Life Insurance Co. Herrn Kiyoshi Ujihara gelesen haben. Kiyoshi sieht in den Kursabschlägen, die seiner Meinung nach historisch gesehen enorm sind, eine günstige und langfristige Kaufgelegenheit. Dabei bezieht er sich vor allem auf den japanischen Markt. Egal ob Dividendenrendite, Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Kurs-Buchwert-Verhältnis.

 

Seiner Meinung nach deuten alle Kennzahlen auf eine historisch einmalige Unterbewertung hin. Außerdem sieht er die Ursache für Kursrückgänge in Japan, das seiner Meinung nach von der amerikanischen Hypothekenkrise weniger und nur indirekt betroffen ist, in dem Verhalten der ausländischen Investoren.

 

Aber nicht nur das stützt meine These. Wenn wir derzeit nach USA blicken, so ist es doch nicht ganz uninteressant zu sehen, dass das von der FED derzeit angebotene, äußerst attraktive Kreditprogramm nicht bzw. nur zögerlich angenommen wird. Nur Lehman Brothers und Goldman Sachs haben sich bisher eine kleine Menge geborgt. Die FED musste jetzt sogar dazu aufrufen, dass die Banken selbst dann davon Gebrauch machen sollten, wenn sie das Geld gar nicht benötigen. Um die Banken, die jetzt kommen, nicht zu stigmatisieren.

 

Und dann wären da die Quartalszahlen von Goldman Sachs und Lehman Brothers. Gewinnrückgänge von -53 % bzw. -57 % lese ich da. Gewinnrückgänge und nicht Verluste, wie man es erwarten könnte. Also entweder lügen die alle, dass sich die Balken biegen und schummeln, was sie teuer zu stehen käme oder aber die Situation ist nicht so dramatisch, wie man sie allgemein hinstellt. Obwohl sie durchaus Ernst ist.

 

Und vielleicht will der ein oder andere, daraus auch noch seinen Vorteil ziehen. Wie gestern unser Oberbanker Ackermann, dem Steinbrück sklavengleich und unterwürfig sofort reflexartig zugestimmt hat. Herr Steinbrück sollte sich besser um die IKB kümmern, wo die nächste Hiobsbotschaft ins Haus steht. Statt sich zum Krisenmanager hochzustilisieren. Er verursacht nämlich derzeit mehr, als er beseitigt. Erneut ist nämlich von einer Deckungslücke bei der IKB die Rede. Wann endlich übernimmt er dafür die politische Verantwortung? Oder gibt es so etwas in der deutschen Politikerlandschaft nicht mehr? Jetzt wo auch das grundgesetzlich garantierte Gewissen des einzelnen Abgeordneten – wie in Hessen – von Volksparteien in Frage gestellt wird. Was zu Denken gibt!

 

Die Dinge, die im politischen Bereich derzeit abgehen, finde ich persönlich viel dramatischer, als das was derzeit an der Börse abgeht. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass die Krise auch ein Wenig von Merkel, Glos, Steinbrück und Co. genutzt wird, um von eigenem Versagen abzulenken.

Und um zu zeigen, dass es deutschen Firmen durchaus gut geht, zitiere ich ein paar Überschriften der letzten Tage auf meinem Portal: Augusta Technologies AG 2007: Umsatz +10,4 % EBIT +23,5 %; Metro AG 2007:  Umsatz +10,4 % EBIT +8,8 %; HeidelbergCement AG 2007: Umsatz +35,8 %; EBIT +35,8 %; Linde AG 2007: Umsatz +13,9 %; EBIT +18,1 %. Reicht das? Ich könnte beliebig weiter machen. Die Schlauen unter uns werden jetzt sagen, dass das ja Vergangenheitsdaten sind. Richtig. Aber auch die Prognosen sind so schlecht nicht.

 

Also gestehe ich schlussendlich Folgendes: Ja ich investiere in Aktien, weil ich damit Kursgewinne machen will. Ja, ich finde da auch nichts Unmoralisches dabei. Sonst wäre ich nicht hier. Nein, ich biege mir die Fakten nicht hin, wie ich sie brauche. Ja, ich glaube, was ich schreibe.

 

Wissen Sie was mich beeindruckt, ja schockiert? Wie damals in der New Economy nimmt der Anleger heute wieder einmal die Fakten einfach nicht wahr. Und vertraut auf die Aussagen derjenigen, die ihnen später die Suppe einbrockten. Der einzige Unterschied ist, dass damals der Markt völlig überbewertet war und heute unterbewertet ist.

 

Es ist an der Zeit, dass der deutsche Anleger endlich erwachsen wird.

 

Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen

 

Ihr Norbert Lohrke

 

 

 

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