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Autor | Norbert Lohrke | Bewertung (0): | |
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| Erstellt am: | 23.06.08 09:31 | Antworten: | 0 | ||
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„Die Investoren sind es müde, in ein fallendes Messer zu langen“, wird heute ein Investmentbanker, der nicht genannt werden wollte, im Wallstreet Journal zitiert. Angesichts der Kursverluste von -40 % und mehr, ist diese Haltung nur allzu verständlich. So kommt es inzwischen auch vor, dass Banken, die gerade erst vor kurzem eine Kapitalauffrischung erhalten haben, erneut um weiteres Kapital betteln. Was deutlich zeigt, wie es den Banken wirklich geht.
Erschwerend kommt in vielen Fällen hinzu, dass gleichzeitig weitere Verluste gemeldet werden müssen. So ist es kein Wunder, dass die Aussichten für Finanzwerte und vor allem Banken massiv zurückgeschraubt werden. Erst am Ende der vergangenen Woche hat z.B. Lehman Brothers Holding Inc. die Gewinnerwartungen einzelner Geschäftsbanken herabgesetzt. Und kurz zuvor wurden 21 Banken von einem anderen Bankhaus heruntergestuft.
Es ist schon beeindruckend zu sehen, wie die Banken jetzt in einen Wettlauf eintreten, sich gegenseitig herabzuwerten. Nach dem Motto: Wir haben zwar die Hosen voll, aber bei Euch stinkt es noch mehr, als bei uns.
So viel also zu den Damen und Herren, die uns am Schalter mit der Herausgabe von Krediten zuweilen mächtig gängeln. Ich will ganz ehrlich zu Ihnen sein. Ich persönlich freue mich geradezu diebisch darüber, dass es den Banken jetzt so schlecht geht. Endlich spüren diese arroganten Krawattenträger einmal, wie es ist, wenn man Geld benötigt und keines bekommt. Na, ihr Banker. Wie fühlt sich das an, mal auf der anderen Seite zu stehen und betteln zu müssen?
Und, weil man sich mitunter dabei ganz schön beschissen fühlt, kommen einige von diesen Herren jetzt auf eine ganz besonders interessante Idee. Wie wäre es, wenn man einfach den Crash ausruft und dann auf sinkende Werte setzt, also short geht? Da ließe sich doch ordentlich was gewinnen, oder? Und in solchen Zeiten der Verunsicherung müsste doch wenigsten das C-Wort – nun da das R-Wort nicht die erhoffte Wirkung gebracht hat – auf fruchtbaren Boden fallen.
Das jedenfalls dachte sich Bob Janjuah, Analyst der Royal Bank of Scottland, und brachte letzte Woche eine Crash-Studie auf den Markt. Mit Zeitansage. Und als ob das nicht schon irrwitzig genug wäre, kommen da noch zwei deutsche Banken um die Ecke, die in das Crash-Gedönse einstimmen. Dabei handelt es sich um keine Geringeren als die Deutsche Bank AG und die Sal. Oppenheim. Beide rechnen plötzlich mit einem Einbruch des S&P 500 von rund -30 %.
Und auch unser Vorzeige-Hedgie Soros darf da nicht fehlen und warnt vor einer Superbubble. Was immer das ist. Nachdem er jetzt zweimal vergeblich Wolf gerufen habe, soll jetzt beim dritten Mal das Ungetier endlich vor der Tür stehen und die Superblase platzen. Das es ihm derzeit nicht gerade gut geht und er sich also offensichtlich verspekuliert hat („…my performance currently is not that good..“) zeigt damit auch er, wessen Geistes Kind er ist. Shorties gewinnen eben dann am Meisten, wenn alles zusammenbricht. Und wenn das nicht der Fall ist, hilft man mit dem entsprechenden Weltuntergangsgerede einfach ein bisschen nach.
Für mich ist das alles sehr, sehr durchsichtig und auch äußerst unseriös. Und was die Bank of Scottland und ihren aus dem Ruder gelaufenen Analysten angeht, so frage ich mich, ob eine Bank, die es nicht geschafft hat, ihre Kapitalerhöhung zu 100 % am Markt zu platzieren, wirklich als Ratgeber taugt. Oder nur mit einem solchen Unsinn die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen gedenkt, um im Sinne einer „self fulfilling prophecy“, also einem herbei geredeten Ereignis, zu punkten.
Dass sich Sal. Oppenheim und die Deutsche Bank diesem Schwachsinn anschließen, zeigt wie tief auch Häuser mit einst gutem Namen („lang ist es her“) sinken können.
Wobei ich mich frage, ob Deutsche Bank Chef Ackermann noch Herr der Lage ist. Erst war der Komiker aus Frankfurt von der Krise gar nicht betroffen. Dann – nach der ersten Gewinnwarnung – forderte er das Eingreifen des Staates, wobei er ein paar Tage später den staunenden Journalisten erklärt hat, dass er im Grunde missverstanden wurde. Dann ruft Mr. Fettnapf das Ende der Bankenkrise aus, just in dem Moment, wo sie für die meisten Banken erst anfängt. Vielleicht hat Herr Ackermann einfach an diesem Tag keine Zeitung gelesen.
Das just dieser wankelmütige Vorzeigebanker, der noch in jedem Gerichtssaal ein Victory-Zeichen hinbekommt zum Präsidenten der International Monetary Conference gewählt wird, der 74 Finanzdienstleister aus 27 Länder angehören, ist beispielhaft dafür, in welchem Zustand sich das Bankensystem weltweit befindet.
Und weil er jetzt auch nicht mehr weiter weis, hat er sich gedacht, dass seiner Bank doch eigentlich ein Crash (was übrigens Norbert Walter, Chef von Deutsche Bank Research, etwas anders sieht) ganz gelegen kommen müsste, wenn er rechtzeitig seiner Eigenhandelsabteilung ein Signal gibt, short zu gehen. Dass jener vor kurzem den Mangel an Moral beklagt hat und er sich wundert, dass Markt und Moral heute vielfach als Gegensatz erlebt werden, setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Er der bei Bäckern auf Tüten mit Produkten geworben hat, die steigende Nahrungsmittelpreise zum Gegenstand haben (+ 1 % Preisanstieg drück 16 Millionen Menschen unter die Armutsgrenze!!!). Es ist offensichtlich nur noch eine Frage der Zeit bis Ackermann die Kutte anzieht und im obersten Stockwerk der Twin Towers einen Reliquienschrein bauen lässt und uns so eines besseren belehrt.
Soweit wollen wir es aber nicht kommen lassen. Arbeiten wir alle daran mit, dass es statt zu einem Crash zu einem massiven Anstieg der Kurse im zweiten Halbjahr kommt und sorgen wir damit für Verluste im Eigenhandel der Deutschen Bank AG.
Und sollte dann der Crash kommen, wenngleich anders als gedacht, nämlich bei der Deutschen Bank AG im zweiten Halbjahr, so soll es mir auch recht sein. Es ist sowie so an der Zeit, dass wir wieder eine vernünftige und solide wirtschaftende Nr. 1 in Deutschland bekommen.
Die Deutsche Bank jedenfalls ist das schon lange nicht mehr.
Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.
Ihr Norbert Lohrke
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