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Kolumne: China drückt Rohölpreis

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Autor Norbert Lohrke Bewertung (0):
Erstellt am: 20.06.08 09:28 Antworten: 0  
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Kolumne: China drückt Rohölpreis

In meiner vorgestrigen Kolumne „Rohölpreis bei 70 Dollar“ hatte ich Ihnen das Interview des ehemaligen saudiarabischen Ölministers Sheik Ahmed Zaki Yamani wiedergegeben. Yamani wies in seinem Interview darauf hin, dass „China Rohöl im eigenen Land subventioniert“ und er „bei Wegfall dieser Subvention den Rohölpreis deutlich sinken sieht“.

 

Die chinesische Regierung in Peking hat nun beschlossen, den Preis für Benzin um +17 % und für Diesel um +18 % zur erhöhen. Dies ist nach der der ersten Preiserhöhung im November letzten Jahres, die größte Erhöhung seit vier Jahren. Damit wird die Gallone Benzin (=3,78 Liter) im Durchschnitt 3,06 Dollar kosten. Außerdem will die chinesische National Development and Reform Comission die Energiepreise um durchschnittlich +4,7 % erhöhen. Von diesen Preiserhöhungen wird erwartet, dass sie mittelfristig zu einem reduzierten Verbrauch von Rohöl durch China führt, sich somit die Nachfrage nach und er Import von Rohöl verringern wird und damit den Rohölpreis tendenziell nach unten drückt.

 

Die chinesische Preiserhöhung steht im Zusammenhang mit dem zunehmenden Druck, den die Amerikaner auf China derzeit ausüben. So haben erst vorgestern 16 demokratische Abgeordnete an Präsident Bush einen Brief geschrieben, in dem sie die Ölpreiskontrollen von China scharf kritisieren und fordern, dass die Bush Regierung außenpolitisch stärker Druck auf China ausüben soll.

 

Diese Kritik trifft derzeit auf ein Land, in dem die Inflation mit derzeit ca. + 8 % zunimmt und deren Regierung zum Schutze der ärmeren Bevölkerung versucht, die Inflation auf diesem Niveau zu halten. Insofern ist es verständlich, dass China – auch bei bestem Willen - in diesem Punkt nur graduell wird nachgeben können.

Deshalb gibt es Marktteilnehmer, die davon ausgehen, dass die Preiserhöhung – ähnlich wie die im November – mehr oder weniger verpufft. Andere wiederum sagen zwar, dass sich das Nachfrageverhalten trotz des höheren Preises kurzfristig nicht ändern wird, die Meldung aber in den Köpfen der Marktteilnehmer ihre Wirkung nicht verfehlen wird. Da die chinesische Regierung damit ein Signal an die Röhölmärkte gibt, dass sie zumindest das in ihrer Macht stehende unternehmen will, um den Rohölpreis so weit wie möglich zu drücken.

 

So sagt auch der für Energie zuständige Chef-Ökonom der Deutschen Bank in Washington Adam Sieminski, dass die Maßnahme Chinas die Märkte in der kurzen First nicht verändert, aber sie psychologisch ihre Wirkung hinsichtlich eines Ungleichgewichts von Angebot und Nachfrage nicht verfehlen wird („So what China has done may not change things much in the short term, but it will make a huge difference to the psychology that says markets are out of balance going forward“).

Aber auch in den anderen asiatischen Ländern wie Indien, Indonesien und Malaysia wo das Benzin ebenfalls subventioniert wird, sind Tendenzen erkennbar die Subventionierung abzusenken, um damit die Staatshaushalte zu entlasten.

 

Wahrscheinlich werden nun die Verfechter eines hohen Rohölpreises wieder argumentieren, dass diese Maßnahme – ähnlich wie die Erhöhung des Outputs der saudi-arabischen Ölförderung ihre Wirkung verfehlen wird, weil die Nachfrage nach Benzin trotz höherer Preise stabil sein wird und diese Maßnahme alles in allem verpufft.

 

Wo ich Ihnen vom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus sogar recht geben und damit entgegenkommen würde. Aber da der Rohölmarkt derzeit ein hoch-spekulativer Markt ist, der sich weit von seinen fundamentalen Wurzeln entfernt hat, bin ich mit Sieminski der Meinung, dass die psychologische Wirkung nicht unterschätzt werden sollte. Immerhin führte die Meldung, wenn auch zu einem kleinen Rückgang von -3,5 %.

 

Und sollten sich die Meldungen in diese Richtung häufen und auch die anderen asiatischen Staaten – wie angekündigt - ihre Subventionen nach und nach ebenfalls abbauen, könnten die Bullen auf ihren Rohöl-Futures ausrutschen und sich eine blutige Nase holen.

 

Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.

 

Ihr Norbert Lohrke

 

 

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