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Analyse/ Meinung: Rohstoff Weizen im Fokus

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Autor Rohstoff-Trader Analyst Bewertung bei 0 Stimme(n): Weitere Beiträge von diesem Autor
Erstellt am: 24.07.08 12:46 Antworten: 0
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Analyse/ Meinung: Rohstoff Weizen im Fokus

Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Mitte Mai prophezeiten die Experten vom "Rohstoff-Trader" bei Weizen einen Kursrückgang bis mindestens 750 US-Cents und Ende Juni wurde ein Scheffel des beliebten Getreides zu annährend genau diesem Preis gehandelt.


Im Anschluss sei es zu einer kleinen "Zwischen-Rally" gekommen, bevor die Notierungen in den vergangenen Wochen abermals unter Abgabedruck geraten seien. Die Experten würden sich fragen, ob das jetzt möglicherweise eine gute Gelegenheit sei, um "long" zu gehen oder mit weiter rückläufigen Kursen gerechnet werden müsse.


Der Weizen in den USA habe die Flut-Katastrophe in diesem Jahr offenbar gut überstanden. Nicht zuletzt deshalb habe sich das US-Landwirtschaftsministerium am 11. Juli veranlasst gesehen, die Schätzungen bezüglich der 2008/09er Endbestände von zuvor 487 auf jetzt 537 Millionen Scheffel anzuheben, was primär der um elf Prozent auf 56,59 Millionen Acres ausgeweiteten Anbaufläche, aber auch dem guten Zustand des Frühlingsweizens geschuldet sei. Aktuell würden 63 Prozent der Pflanzen mit "good to excellent" bewertet. Ein Woche zuvor seien es lediglich 61 Prozent gewesen.


Ganz spurlos seien die Wetter-Kapriolen an dem Getreide aber offenbar doch nicht vorbeigegangen. Denn in der letzten Saison hätten zum jetzigen Zeitpunkt 75 Prozent einen guten bis ausgezeichneten Zustand aufgewiesen. Die viel beachtetete Ending Stock to Use Ratio werde nunmehr bei 23 Prozent gesehen, was gegenüber dem Wert der letzten Saison ein Plus von stattlichen zehn Prozent bedeute. Im längerfristigen Vergleich liege das Verhältnis zwischen Vorräten und Verbrauch aber nach wie vor im unteren Mittelfeld.


Auch auf globaler Ebene stünden die Zeichen auf Entspannung: In Australien dürfte die Ernte trotz zeitweiliger Trockenheit im Vergleich zum zurückliegenden Jahr recht üppig ausfallen, da gerade für die kommenden Tage vermehrte Niederschläge angekündigt seien, und auch in China rechne man mit höheren Erträgen. Auch in weiten Teilen Europas und insbesondere in der Schwarzmeer-Region könnte der Output rekordverdächtige Marken erreichen.


Lediglich im Ostseeraum würden Experten aufgrund der wochenlangen Frühsommer-Trockenheit Einbußen erwarten, die jedoch nicht großartig ins Gewicht fallen würden. Unterm Strich würden sich am Ende des laufenden Wirtschaftsjahres laut den amerikanischen Behörden daher 133 Millionen Tonnen Weizen in den weltweiten Lagerhäusern befinden. 2007/08 seien es lediglich 116 Millionen Tonnen gewesen.


Der Anstieg der Vortragsbestände habe - wie könnte es auch anders sein - seine Ursache in einem Überangebot an Weizen. Einem Weltaufkommen von 664,2 Millionen Tonnen solle ein Verbrauch von nur 647,2 Millionen Tonnen gegenüberstehen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeute das zwar einen Anstieg um etwa 20 Millionen Tonnen, der hauptsächlich auf der vermehrten Verwendung als Futtergetreide zurückzuführen sei, nachdem die Maispreise in fast schon Schwindel erregende Höhen gestiegen seien.


Für die USA erwarte man zudem einen 20-prozentigen Rückgang der Exporte. Bis dato seien die Ausfuhren um 14 Prozent gefallen. Einerseits würden die guten Ernten in vielen Regionen den Zukauf von Weizen überflüssig machen und anderseits schrecke der nach wie vor recht hohe Preis ab. Alles in allem würden die fundamentalen Rahmenbedingungen also auf den ersten Blick alles andere als "bullisch" aussehen. Einige Anleger könnten daher zu der Auffassung gelangen, dass die Weizenpreise ihren wirklichen Crash erst noch vor sich hätten. Dem sei nach Meinung der Experten vom "Rohstoff-Trader" jedoch absolut nicht so:


Langsam aber sicher werde der Markt sein Augenmerk bereits auf die nächste Saison richten. Und in Anbetracht der gegenwärtigen Mais- und Sojabohnen-Notierungen müsse von einem deutlichen Rückgang der Weizen-Anbaufläche ausgegangen werden.


Da der Verbrauch hoch bleiben werde und auch von einer konjunkturellen Abkühlung nicht belastet werde, könnten sich die Experten durchaus vorstellen, dass die Lagerbestände im kommenden Wirtschaftsjahr einen neuerlichen Tiefschlag erhalten würden. Zwar würden sie es für nicht sonderlich wahrscheinlich halten, dass Weizen seine alten Höchststände demnächst wieder erreiche, weil diese ohnehin zum Großteil von Spekulationen getrieben gewesen seien. Einen moderaten Kursanstieg würden sie bis Jahresende allerdings für gut möglich erachten, vor allem wenn sich die Witterungsbedingungen in der einen oder anderen bedeutenden Anbauregion verschlechtern sollten.


Auf der anderen Seite müsse eingestanden werden, dass charttechnisch aktuell (noch) kaum etwas für steigende Notierungen spreche. Der längerfristige Aufwärtstrend sei "Geschichte" und seit März dieses Jahres herrsche sogar ein erkennbarer Abwärtstrend vor. Gestern habe September-Weizen auf Schlusskurs-Basis unter der psychologisch wichtigen Support-Marke von 800 US-Cents geschlossen. Gleichzeitig notiere der Future sowohl unter seiner Neun- als auch seiner 18-Tage-Linie, was zweifellos als "bärisches" Signal gewertet werden müsse.


Dass der MACD in diesem Umfeld ein Verkaufssignal generiere und auch der RSI signifikant unter 50 liege, verwundere nicht. Einen kleinen Hoffnungsschimmer für die "Bullen" gebe derzeit allein die Stochastik, die kurz vor einem Kaufsignal stehe. Sollte die Marke von 800 US-Cents jedoch nicht zügig zurückerobert werden, müsse mit einem abermaligen Test der 750 US-Cents gerechnet werden. (24.07.2008/ac/a/m)


 

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