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Analyse/ Meinung: Rohstoff Erdgas im Fokus

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Autor Rohstoff-Trader Analyst Bewertung bei 0 Stimme(n): Weitere Beiträge von diesem Autor
Erstellt am: 09.05.08 10:02 Antworten: 0
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Analyse/ Meinung: Rohstoff Erdgas im Fokus

Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Für aktive Trader gehört Erdgas vor allem wegen der mitunter sehr hohen Volatilität seit jeher zu den interessantesten Rohstoffen überhaupt, so die Experten vom "Rohstoff-Trader".


In den vergangenen beiden Jahren hätten sich Gewinne vornehmlich auf der "kurzen Seite" erzielen lassen. Doch seit einigen Monaten habe sich das Blatt gewendet: Ausgehend von den Zwischentiefs im Herbst 2007 hätten sich die Kurse des flüchtigen Energieträgers nämlich rund verdoppelt. Auch wenn damit die Luft für weitere Kursanstiege natürlich zunehmend dünner werde, sähen die Experten bei Erdgas auf längere Sicht nach wie vor ein nicht zu unterschätzendes Aufwärtspotenzial.


Immerhin befänden sich die US-Lagerbestände seit Jahresbeginn kontinuierlich auf dem Rückzug: So hätten die amerikanischen Vorräte Ende April nur noch bei 1,371 Billionen Kubikfuß gelegen. Gegenüber der Vorwoche bedeute dies zwar einen Anstieg um 86 Milliarden Einheiten, der recht deutlich über dem erwarteten Plus von 71 Milliarden Kubikfuß gelegen und die Preise somit unter leichten Abgabedruck gesetzt habe.


Dennoch dürfe nicht vergessen werden, dass die Lagerbestände aktuell 255 Einheiten oder 16 Prozent unter dem Niveau des Vergleichszeitraums des Vorjahres lägen. Mittlerweile würden die Bestände sogar leicht unter ihrem fünfjährigen Durchschnitt notieren. Sicherlich müsse eingestanden werden, dass ein Großteil dieser tendenziell "bullischen" Entwicklung in den derzeitigen Kursen bereits eingepreist sei. Sollten die Vorräte in den nächsten Monaten jedoch weiter nachgeben, was man für recht wahrscheinlich halte, dürfte sich Erdgas weiter verteuern.


Der Optimismus der Experten vom "Rohstoff-Trader" in Bezug auf einen weiteren Rückgang der US-Lagerbestände basiert in erster Linie auf der Erwartung eines höheren Verbrauchs. Der massive Anstieg der Rohölpreise bringe die amerikanischen Stromerzeuger zunehmend in die Bredouille und viele von ihnen würden nunmehr auf Erdgas als Ausgangsrohstoff umschwenken. Eindrucksvoll belegt werde diese Tatsache durch den erkennbaren Anstieg des Absatzes von Gasturbinen, gleichzeitig nahe langsam aber sicher die verbrauchsintensive Sommerzeit. Auch wenn der lange und harte Winter in weiten Teilen der USA für den jüngsten Schwund der Erdgas-Vorräte verantwortlich gewesen sei, sei es eine unumstößliche Wahrheit, dass der Sommer die eigentlich verbrauchsintensive Zeit sei.


Wie bereits angedeutet finde Erdgas in den Vereinigten Staaten primär bei der Stromerzeugung Verwendung und der Verbrauch an elektrischer Energie sei erfahrungsgemäß in den heißen Sommermonaten am höchsten, weil dann quasi Tag und Nacht die stromfressenden Klimaanlagen laufen würden. Ganz soweit sei es momentan zwar noch nicht, so dass dem Markt kurzfristig ein wenig die Long-Fantasie fehle. Auf Sicht von ein bis zwei Monaten allerdings müsse aus den genannten Gründen mit einem signifikanten Anstieg der Erdgas-Nachfrage gerechnet werden.


Ein weiterer "bullischer" Faktor sei die am 1. Juni offiziell beginnende "Hurrikan-Saison". Während dieser Zeit komme es nicht selten zu erheblichen Förderausfällen an den Anlagen im Golf von Mexiko. In den vergangenen beiden Jahren sei es entgegen den Vorhersagen der Meteorologen im Hinblick auf Anzahl und Intensität lediglich zu unterdurchschnittlichen Stürmen gekommen.


Entsprechend verhalten seien die Prognosen für 2008. Genau hierin bestehe aber die Gefahr bzw. die Chance für "Erdgas-Haussiers". Denn wenn kaum jemand mit starken Hurrikans rechne, sei für den Fall, dass diese dann doch kämen, die Überraschung umso größer, was zu panikartigen Erdgas-Käufen führen dürfte. Wirklich zum Tragen werde dieser Faktor wohl erst im Spätsommer bzw. Herbst kommen. Statistisch sei es nämlich so, dass die meisten Wirbelstürme in dieser Zeit passieren würden. Zu Beginn und am Ende der Hurrikan-Saison sei die Wahrscheinlichkeit für "Monsterstürme" dagegen eher gering.


Zusammenfassend könne man festhalten, dass sich die fundamentalen Aussichten im Hinblick auf steigende Erdgas-Notierungen deutlich verbessert hätten, weil die Zeiten der erdrückend hohen Lagerbestände vorerst vorbei seien. Dessen ungeachtet müsse kurzfristig mit weiteren Rücksetzern gerechnet werden. Denn bis die wirklich preistreibenden Umstände (Hitze und Hurrikans) zum Tragen kämen, dauere es noch ein wenig.


Charttechnisch wirke Erdgas vordergründig betrachtet recht stark. Ein RSI sowie Notierungen oberhalb aller wichtigen gleitenden Durchschnitte würden die Vermutung nahe legen, dass die "Bullen" alles fest im Griff hätten. Bei genauerem Hinsehen jedoch sei dem nicht so: Sowohl die Stochastik als auch der MACD könnten in Kürze ein Verkaufssignal generieren. Bei letzterem Indikator würden sich darüber hinaus bereits "bärishe" Divergenzen zeigen, weil sich das Barometer trotz des neuen Hochs im April unterhalb seines Standes von Mitte März bewege. Zudem liege das Mai-Hoch unter dem April-Hoch, was die Vermutung eines beginnenden korrigierenden Abwärtstrends nähre.


Zumindest einen Test des starken Supports bei 10,50 US-Dollar können sich die Experten vom "Rohstoff-Trader" in den kommenden Tagen problemlos vorstellen. Ausgehend von den aktuellen Notierungen des Juni-Futures im Bereich von knapp über elf US-Dollar ergebe sich somit ein Abwärtspotenzial von gut fünf Prozent. (09.05.2008/ac/a/m)


 

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